Beim politischen Frühstück der Initiative Gesundheitsindustrie Hessen (IGH) kamen am 21. Mai 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie und Wissenschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen und zentrale Zukunftsfragen der Gesundheitsindustrie zu diskutieren. Im Fokus stand dabei das Spannungsfeld zwischen internationalem Wettbewerb und nationalen regulatorischen Rahmenbedingungen.
Staatssekretärin Dr. Sonja Optendrenk eröffnete den Austausch mit einer klaren Analyse der aktuellen Lage: Geopolitische Unsicherheiten, steigender wirtschaftlicher Druck und strukturelle Herausforderungen erhöhen den Reformbedarf spürbar. Zugleich betonte sie die Bedeutung der IGH als Plattform für einen konstruktiven und lösungsorientierten Dialog.
Wertvolle Impulse für die Diskussion lieferten Dr. Jasmina Kirchhoff (Institut der deutschen Wirtschaft) sowie Sebastian Wachtarz (AbbVie Deutschland), die unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft und Industrie einbrachten.

Thema der Diskussion beim Politischen Frühstück war das Spannungsfeld zwischen internationalem Wettbewerb und nationalen regulatorischen Rahmenbedingungen © Landwehr / IGH
Globaler Wettbewerb und Regulierung als Herausforderung
Die Diskussion der Teilnehmenden machte deutlich: Der internationale Wettbewerbsdruck in der Gesundheitsindustrie nimmt weiter zu. Länder wie die USA und China investieren gezielt in ihre Gesundheitsindustrien und setzen auf schnellere Prozesse. Für den Standort Deutschland und insbesondere Hessen stellt sich damit die zentrale Frage, wie Wettbewerbsfähigkeit langfristig gesichert werden kann. Die Teilnehmenden waren sich einig, ohne gezielte Maßnahmen droht ein weiterer Rückstand im globalen Investitions- und Innovationswettbewerb.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Rolle der Regulierung, insbesondere mit Blick auf den Kabinettentwurf des GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Die dort vorgesehenen zusätzlichen Eingriffe in Preis‑ und Erstattungsmechanismen wurden von den Teilnehmenden deutlich kritisch bewertet. Insbesondere die geplante Dynamisierung des Herstellerabschlags sowie weitere verschärfte Steuerungsinstrumente setzen einseitig auf kurzfristige Kostendämpfung und erhöhen die Unsicherheit für Investitionen erheblich. In der Konsequenz drohen negative Effekte auf Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Statt zusätzlicher Belastungen benötigen Unternehmen verlässliche und planbare Rahmenbedingungen, um langfristige Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion zu sichern.
Zusätzliche bürokratische Hürden oder Unsicherheiten können hingegen dazu führen, dass Innovationen verzögert oder Investitionen zurückgestellt oder in andere Regionen verlagert werden. Ziel muss es daher sein, ein innovations- und investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen, das Geschwindigkeit, Kooperation und Transfer stärkt. Denn Innovationen und Investitionen sind entscheidend für die Zukunft der Gesundheitsindustrie. Von Pharma bis Medizintechnik wurde hervorgehoben, dass Forschung, Entwicklung und Produktion vor allem eines brauchen: Freiraum und verlässliche Rahmenbedingungen.
Dialog als Grundlage für Lösungen
Das politische Frühstück unterstrich einmal mehr die Rolle der IGH als strategische Plattform für den Austausch zwischen allen relevanten Akteuren. Der offene Dialog ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsame Lösungsansätze für einen starken Standort zu entwickeln.
Die Gesundheitsindustrie in Hessen steht vor großen Herausforderungen, aber auch vor großen Chancen. Entscheidend wird sein, Wettbewerb, Regulierung und Innovation in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Formate wie „IGH im Dialog“ leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.
Vielen Dank an alle Beteiligten für den offenen und konstruktiven Austausch.
