Deutschlandstipendiatin Sanja Löw:
Mein Name ist Sanja Löw und ich bin 21 Jahre alt. Aktuell studiere ich im 3. Semester den ausbildungsbegleitenden Bachelor-Studiengang „Biopharmaceutical Sciences“ bei Sanofi in Frankfurt. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad und Inliner, treffe mich mit Freunden und bin in der fünften Jahreszeit beim örtlichen Fastnachtsverein aktiv.
Wo lagen während Ihrer Schulzeit Ihre Interessen und was hat Sie motiviert, Ihr Studium zu beginnen?
Schon seit Beginn meiner Schulzeit interessierte ich mich vor allem für die Naturwissenschaften. Vor allem in Biologie habe ich mich selten mit den Antworten meiner Lehrer zufriedengegeben und immer weiter nachgefragt. In der Mittelstufe wollte ich unbedingt Meeresbiologie studieren, aber in Ermangelung von Meeren in Frankfurt habe ich in der 9. Klasse zunächst ein Schülerpraktikum als Biologielaborantin im Paul-Ehrlich-Institut in Langen gemacht. Als Ausgleich zur Meeresbiologie habe ich mir dann ein Aquarium zugelegt, in dem noch heute meine Fische und Garnelen wohnen. Während meines Praktikums habe ich Einblicke in die Elektronenmikroskopie erhalten und war von Anfang an begeistert. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich Biologie studieren möchte. Als ich nach dem Abitur das ausbildungsbegleitende Studium an der Provadis-Hochschule entdeckt habe, war mir klar, dass dies mein Weg ist.
Welches Thema fasziniert Sie in Ihrem Studium / Beruf aktuell am meisten?
An dem Studium fasziniert mich vor allem, dass man nie auslernt. Egal, in welchem Gebiet man sich spezialisiert, es gibt immer wieder neue Nischen, in denen man sich fortbilden kann. Die Teildisziplinen der Biologie entwickeln sich schnell weiter, und oft gibt es Verbindungen und Zusammenhänge, die man nicht sofort vermuten würde. Daher gibt es immer etwas zu entdecken und immer wieder neue Erkenntnisse.
Mich persönlich fasziniert aktuell vor allem die Wirkstofffindung und -weiterentwicklung, da man so die Möglichkeit hat, selbst Neues zu entdecken und im besten Fall auch noch Menschen mit einem Medikament zu helfen.
Was bedeutet Ihnen das Deutschlandstipendium und die Förderung durch die Initiative Gesundheitsindustrie Hessen?
Für mich bedeutet das Stipendium einerseits eine finanzielle Entlastung. Gerade mit einem Azubi-Gehalt ist das Studium nicht billig und sehr fordernd. Das Stipendium ist daher eine sehr hilfreiche Unterstützung.
Andererseits bin ich auch sehr stolz darauf. Es ist eine Bestätigung, die mir sagt: „Das, was du gerade machst, ist super!” Mach weiter so! Es zeigt vor allem auch, dass nicht nur gute Noten, sondern auch zwischenmenschliche Aspekte wichtig sind und wertgeschätzt werden, wie das Ehrenamt und soziales Engagement im Allgemeinen.
Bis vor kurzem habe ich mich als Co-Leitung in der Jugendgruppe unserer Kirche engagiert. Da ich jetzt leider nicht mehr zur Jugend gehöre, habe ich dort das Zepter abgegeben. Ich bin aber weiterhin bei einigen Projekten unserer Pfarrei aktiv. Diese Zeit ist mir sehr wichtig und hat mir gezeigt, dass soziales Engagement wichtig ist und die Gesellschaft im Kern zusammenhält. Dass dies gewürdigt wird, finde ich super, und darauf bin ich auch stolz.
Was haben Sie nach dem Studium vor?
Das ist eine gute Frage. Da das Studium noch zwei Jahre dauert, habe ich mir darüber noch keine konkreten Gedanken gemacht. Mein vorrangiges Ziel ist es, die Ausbildung und das Studium gut abzuschließen und dann zu schauen, was sich ergibt.
Langfristig möchte ich auf jeden Fall noch einen Master machen. Ob im Ausland oder hier in der Region, bleibt abzuwarten. Ich bin erst einmal für alles offen, was auf mich zukommt. Denn erstens kommt es sowieso anders und zweitens als man denkt.
Was würden Sie anderen jungen Menschen mitgeben, die ein MINT-Studium erwägen?
Just do it! Lasst euch nicht von Phrasen wie „Ihr findet eh keinen Job“ oder „Das wird aber schwierig, ich hoffe, du packst das“ entmutigen. Wenn ihr wollt, dann schafft ihr das auch! Sei es Bioinformatik, Bioingenieurwesen, Drug Design oder Analytik – MINT ist ein äußerst interessantes Feld mit vielen Untergruppen, sodass beinahe jeder einen Bereich finden kann, der ihn begeistert. Die Biologie und die MINT-Fächer sind so vielfältig, dass man das am Anfang gar nicht alles überblicken kann. Deshalb: Schaut es euch an, taucht ein und probiert es aus!
Wenn ihr das macht, worauf ihr wirklich Lust habt, werdet ihr schnell motiviert sein, zu lernen, zu arbeiten und Dinge auszuprobieren. Und auch wenn mal etwas nicht so klappt, wie ihr es euch vorstellt, ist das nicht weiter schlimm. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Die MINT-Fächer brauchen motivierte Leute – vor allem motivierte Frauen –, die sich etwas trauen.
Was ich auch gemerkt habe: Wenn ihr euch engagiert und mehr als das Minimum macht, öffnen sich Türen, die sonst verschlossen bleiben. Auch wenn man alleine im Labor sitzt, sind soziale Kontakte und Netzwerke sehr wichtig, um voranzukommen.
Zu guter Letzt muss ich noch etwas loswerden: Die Kombination aus Ausbildung und Studium ist zwar sehr fordernd, aber man wird auch sehr gefördert. Durch die Ausbildung sammelt ihr Berufserfahrung und Erfahrung im praktischen Arbeiten. Zugleich werden die theoretischen Hintergründe an der Universität gefestigt. So hat man einen guten Ausgleich zwischen Theorie und Praxis. Am Ende habt ihr beide Abschlüsse in der Tasche und seid bestens für den Einstieg in die Arbeitswelt gerüstet.
